Chronik / Historie

Vorwort

2003 konnte der Ortsverein Lilienthal der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

Aus diesem Anlass sollen nicht nur die Parteimitglieder, sondern auch alle
sonstigen interessierten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Einblick
erhalten in die Geschichte der Lilienthaler SPD.

Ein Leitgedanke prägte in den vergangenen hundert Jahren die Arbeit und Mühe vieler
bekannter und auch weniger bekannter Frauen und Männer:
Die Lebensverhältnisse der Bevölkerung sozialer und demokratischer zu gestalten
und dabei im Frieden mit anderen Menschen, aber auch Tieren und Pflanzen zu leben.

Die vorliegende Chronik entstand auf der Grundlage von Archivmaterial, Protokollen, Zeitungsartikeln und nicht zuletzt nach Berichten älterer Parteimitglieder.

Der Ortsverein Lilienthal würdigt mit der Chronik die unermüdliche
und beschwerliche Aufbauarbeit vieler Parteigenossinnen und -
genossen in früheren Jahren, ohne die der langsame, aber stetige Aufstieg
in den letzten Jahrzehnten nicht möglich gewesen wäre. Es soll
damit aber auch die Verbundenheit mit der Gemeinde zum Ausdruck
gebracht werden, denn die Geschichte des Ortsvereins ist ebenso ein
Teil der politischen Ortsgeschichte, über die bislang keine Dokumentationen
vorliegen.

Wir zeigen Ihnen hier einige Textausschnitte aus unserer Chronik. Die komplette Druckausgabe als Taschenbuch erhalten Sie beim SPD Ortsverein Lilienthal.

 


 

 


Bürgermeister Heinrich Warnken rehabilitiert

Hoch zufrieden, ja stolz ist die SPD Lilienthal, daß der erste Bürgermeister Lilienthals nach dem Kriege, Heinrich Warnken, von den Engländern am 3. Mai 1945 eingesetzt, nun die Bildergalerie der Bürgermeister im Rathaus anführt.

 

Die Suche nach einem geeigneten Foto dieses langjährigen Sozialdemokraten war lange vergebens verlaufen. Rolf Nordmann war es mit Hilfe von Albert Meierdierks gelungen, bei Heinrichs Tochter Frieda Senkstake ein Passbild aufzutreiben, das bearbeitet werden konnte.

Ungeklärt war die Frage, warum Heinrich W. nach knapp 4 Monaten das Bürgermeisteramt verloren hatte. Jetzt hat der vor kurzem zurückgetretene Vorsitzende des Heimatvereins Lilienthal, Harald Kühn, bei einer Recherche zufällig eine Notiz im "Weser Boten", herausgegeben durch die Militärregierung, gefunden. Die Ausgabe vom 8. September 1945  berichtet, daß der Bürgermeister von Lilienthal, Heinrich Warnke, seines Amtes enthoben und von dem Untersuchungsgericht der Militärregierung wegen unerlaubten Abhaltens einer politischen Versammlung zu 400 RM Geldstrafe verurteilt worden sei.

Ein Zeitzeuge ergänzt dazu, daß die Versammlung Ende August 1945 in Frankenburg in der heute nicht mehr existierenden Gaststätte Cyriaks stattgefunden habe und offensichtlich verpfiffen worden sei.

Die SPD freut sich sehr über diese Aufklärung. So hatte Heinrich W. nichts im heutigen Sinne Strafwürdiges begangen, sondern das allgemein gültige Recht auf Versammlungsfreiheit für sich in Anspruch genommen, das ihm und seinen Parteifreunden seit 1933 verwehrt worden war. Die Besatzungsmächte gaben es den Deutschen erst einige Monate später zurück."

 

 



Die Sozialdemokratie im Kaiserreich
von Ruprecht Großmann

Anlässe zur Gründung einer Parteiorganisation in Lilienthal

Unter allen Parteien in Deutschland hat die SPD die mit Abstand längste
Geschichte. Sie reicht bis zu den Anfängen der Arbeiterbewegung zurück und ist
verknüpft mit den sozialen und politischen Befreiungsbewegungen im 19. Jahrhundert.

Der 1863 in Leipzig von Lassalle gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein und die
1869 in Eisenach von Wilhelm Liebknecht und Bebel ins Leben gerufene Sozialdemokratische Arbeiterpartei vereinigten sich 1875 in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands.

„Die Idee des Sozialismus wurde von nun an für die Arbeiter
eine Quelle nie versagender Kraft und ein schier unerschöpfliches Reservoir von Opferbereitschaft und Idealismus“ (Kraft, S.III).

1878 wurde die Partei auf Betreiben Bismarcks durch das Sozialistengesetz
verboten, ging aber nach dessen Aufhebung 1890 als Sozialdemokratische
Partei Deutschlands (SPD) gestärkt aus der Verfolgung hervor. Sie war auch in der Folgezeit nicht frei von Richtungskämpfen (revisionistischer Flügel unter Bernstein, Abspaltung der USPD 1917) und blieb bis zum Ende des 1. Weltkriegs in der Opposition.

Dennoch bildete sie ein überzeugendes Gegengewicht zum herrschenden Militarismus
(zu letzterem u.a. Lemmermann, Kriegserziehung im Kaiserreich, Band 1, S. 27ff.), legte die Wurzeln zu einer demokratischen Gesellschafts-Verfassung und trug mit vielen Vorschlägen und Aktionen zur Verbesserung der sozialen Zustände bei (s. zu der hier nicht weiter zu behandelnden Geschichte der SPD insgesamt die im Literaturverzeichnis
aufgeführten Abhandlungen von Franz Mehring, Eichler, Abendroth und Miller/Potthoff).

Seit ihrem Beginn ist die SPD als Partei der Basis organisiert. Sie stützt
sich vor allem auf Ortsvereine, weil sie nur so als demokratische Volkspartei
aktiv werden kann (s. Präambel des Organisationsstatuts der SPD, Satz 1). Das bedeutet auch, dass die SPD niemals zentral Ortsvereine schaffen konnte, sondern von deren Bildung aufgrund eines Beschlusses der ortsansässigen Mitglieder abhängig war und ist. Die Gründung und Tätigkeit der SPD-Ortsvereine erscheint deshalb wie ein
Kaleidoskop unterschiedlicher geographischer, sozialer, wirtschaftlicher
und kultureller Faktoren.

... weiteres in der Druckausgabe

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Die Gründerjahre ab 1903
von Heinz Lemmermann

40 Jahre, nachdem als erste sozialdemokratische Organisation der „Allgemeine Deutsche Arbeiterverein" gegründet wurde, fanden sich in Lilienthal einige Männer zusammen, um einen Ortsverein der SPD zu gründen. Der genaue Gründungstag ist nicht bekannt, wohl aber der Ort: „Stövers Gasthof" an der Grenze zwischen Borgfeld und Lilienthal, auf bremischem Gebiet, dort wo heute das „Borgfelder Landhaus"
steht. Es war in damaliger Zeit überhaupt schwierig, ein Lokal zu finden, das Sozialdemokraten zu tagen erlaubte, standen diese doch weithin im Rufe „Umstürzler" zu sein.

Das erst 1890 aufgehobene Sozialistengesetz hatte den SPD-Anhängern Verfolgung gebracht. Damals wurden die Besitzlosen, die nur über ihre Arbeitskraft verfügten,
rigoros ausgebeutet und hatten wenige Rechte. Dabei müssen wir uns
vor Augen halten, dass die Grundforderungen der Arbeiter zu jener Zeit heute längst Gemeingut aller demokratischen Parteien sind, doch die SPD musste sie zur Kaiserzeit
und später in langwierigen politischen Kämpfen durchsetzen: genannt seien hier das
gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, die Forderung von Acht-Stunden-Tag
und sonstigen besseren Arbeitsbedingungen und Bildungsmöglichkeiten.

Das Drei-Klassen-Wahlrecht erschwerte den Arbeitern die Durchsetzungsmöglichkeit. Wer sich damals, besonders in ländlichen Gebieten, als Sozialdemokrat zu erkennen gab und dann auch noch für seine Anschauungen warb, der wurde oft genug aus seinem Arbeitsverhältnis entlassen. Das Lilienthaler Gründungsjahr, 1903, brachte durch die Reichstagswahl eine massive Propaganda aller konservativen und liberalen Kräfte gegen die Sozialdemokraten.

Diese konnten sich nur in den industrialisierten Städten mit einigem Erfolg zur Wehr setzen, auf dem flachen Land blieb ihre Einflussmöglichkeit gering. 1903 finden sich Flugblätter und z. T. ganzseitige Zeitungsanzeigen im Lilienthaler Gebiet gegen die SPD, von deren Seite keine einzige Anzeige festzustellen ist. Wer sollte sie auch bezahlen?

...weiteres in der Druckausgabe

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Senatspräsident Kaisen beim SPD-Jubiläum in Lilienthal (aus der
Wümme-Zeitung vom 11.10.1953)


Der Ortsverein Lilienthal der SPD feierte gestern das Jubiläum seines 50-jährigen
Bestehens. Vor dem Festlokal, dessen Eingang und Saal die schwarz-rot-goldene
Fahne zierte, hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, um den Senatspräsidenten Kaisen zu begrüßen, der aber wegen dringender Verpflichtungen erst
gegen Abend erscheinen konnte.

Von der Bühne grüßte das Spruchband „Arbeit für alle in Frieden und Freiheit". Im Laufe der Feier wurden die Veteranen geehrt und in zahlreichen Reden ihr Wirken als Vorbild dargestellt. Auch der Fortschritt wurde festgestellt, um den die Sozialdemokraten erfolgreich gekämpft haben.

Der Großspielmannszug Bremen, der schon vorher vor Kummers Hotel konzertiert
hatte, leitete mit dem Sozialistenmarsch „Auf Sozialisten, schließt die Reihen“,
die Feier im großen Murkenschen Saale ein, zu der sich auch die Jugend zahlreich
eingestellt hatte. Ortsvereinsvorsitzender Friedrich Schmuch begrüßte die Gäste,
unter denen sich Senator Ehlers und Landwirtschaftssenator a.D. Mester sowie
Kreistagsabgeordneter August Lange, Bürgermeister Murken und der als Bundestagskandidat bekannt gewordene Albert Deutel befanden.

In Vertretung des erst später erscheinenden Senatspräsidenten Kaisen hielt Senator
Ehlers die Festansprache. Er ging ausführlich auf die Geschichte des Ortsvereins
Lilienthal ein, wie sie in unserer Ausgabe vom 7. Oktober behandelt worden ist.
Seinen Ausführungen sei Folgendes entnommen: Ich bin glücklich, auf die Veteranen
in unseren Reihen hinweisen zu können, denen sich hier die Gelegenheit einer
echten menschlichen Begegnung mit der Jugend bietet. So lernt sie die Träger der
Idee des Fortschritts und der menschlichen Freiheit kennen.

Die SPD ist ein rechtes Kind der industriellen Revolution der beiden letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts. Viele Menschen zogen damals in die Stadt, um einen Arbeitsplatz zu finden. Unter ihnen befand sich auch Jan Behring, der Gründer des Ortsvereins Lilienthal der SPD. Auch er hatte erkannt, dass die Werktätigen ihre Lage nur durch Zusammenschluss verbessern konnten.

Die SPD kämpft dafür, dass diejenigen, die im Schweiße ihres Angesichts arbeiten,
auch einen Anteil am sozialen Produkt bekommen, um ihr Leben lebenswert zu
gestalten. Sie hat aber auch alles getan, um die Kulturgüter den breiten Massen
zugänglich zu machen. Die Zeitschrift „Freie Stunden" vermittelte die Werke der
großen Dichter und Denker, Theaterbesuche wurden organisiert. Die Verwirklichung
des Achtstundentages war zugleich das Ziel des Kampfes um die Freizeit. Vieles,
was uns heute als selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis eines mühevollen
Kampfes der Veteranen gewesen. Auch für die Kinder des Arbeiters wurden die
gleichen Chancen erkämpft wie für die Kinder der Besitzenden.

In den von der SPD beeinflussten Ländern haben wir das beste Schulsystem. Die Geschichte steht nicht still. Die SPD, die bei der Wahl am 6. September immerhin 8 Millionen Stimmen erhielt, wird den Kampf um den Frieden weiterführen, in dem gleichen Glauben und mit dem gleichen Idealismus, der die Veteranen beseelte. Der Redner schloss mit einem Gedicht Heinrich Heines: „Ein neues Lied".

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Erinnerungen an Peter Sonnenschein
von Ruprecht Großmann

Sprach man in den 60er und 70er Jahren in Lilienthal von der SPD, so fiel alsbald auch der Name Peter Sonnenschein. Er verkörperte wie kein anderes Mitglied in dieser Zeit die Partei. Das lag einfach daran, dass er fast überall präsent war und alle wesentlichen Aktionen mitgestaltete.

Wenn ich heute - nach 40 Jahren - zurückdenke, sehe ich ihn immer noch durch Lilienthal radeln, freundlich grüßend, für alle ein offenes Ohr, seinen Standpunkt vertretend und mit manchem Ratschlag bei der Hand. Peter Sonnenschein besaß die Gabe, auf Menschen
zuzugehen, ohne aufdringlich zu wirken. In Nachrufen wird eine solche Eigenschaft über viele Menschen in herausgehobenen Positionen berichtet.

Das mag meistens stimmen, gewinnt aber erst Aussagekraft durch konkrete Erinnerungen oder belegte Details.

Peter Sonnenschein wurde am 4. Juni 1914 in Wattenscheid geboren und stammte aus einer Bergarbeiterfamilie. Auch wenn er schon in jungen Jahren fortzog und den weitaus größten Teil seines Lebens in Lilienthal verbrachte, blieb er mit seiner Heimatstadt im Zentrum des Ruhrgebiets zwischen Essen und Bochum verbunden. Ich habe das
erlebt, als wir beide 1984 als Delegierte am Bundesparteitag der SPD in Essen teilnahmen, eine Ehre, die jedem Mitglied einmal in seinem Parteileben zu Teil werden soll. Er lud mich damals für einen Nachmittag zu einem Familientreffen bei seinen Verwandten in ein hübsches Haus mit Garten ein. Das kleine Treffen artete bald in eine Menschenansammlung aus, denn in der Nachbarschaft hatte sich herumgesprochen,
dass der „Pitter“ gekommen war. Man lobte ihn, dass er immer noch den schönen westfälischen Dialekt sprach, und machte sich über das »Dorf« Lilienthal lustig, was ihm weniger gefiel und ihn zu einer großen Verteidigungsrede veranlasste, die dann gebührend begossen wurde.

Peter Sonnenschein war ein lebhafter Mensch und verstand zu feiern. Auf die Frage „Trinken wir ein Bier?!“ hatte er stets dieselbe Antwort parat: „Immer“. Für ihn galt aber auch die Devise „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.“

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Die ersten Frauen im Lilienthaler Rat
von Ingeborg Bräuninger

Die viel zitierten 68er-Jahre brachten einen gewaltigen Schub für die SPD, und auch ich trat 1970 in die Partei ein, mit Blumen begrüßt von Peter Sonnenschein und Albert Meierdierks.

Eine Frau alleine (ohne ihren durchaus vorhandenen Ehemann), das war fast schon revolutionär. Als ich dann auch noch zu Mitgliederversammlungen ging - und dort sogar öfter mal was sagte - war mein sensationeller Aufstieg vorprogrammiert.

Nach kurzer Mitarbeit im Vorstand wurde ich schnell erste Vorsitzende und für die Wahl 1972 kandidierte ich auf Platz 2 der Liste für den Gemeinderat. Fast gleichzeitig mit mir engagierten sich Annemarie Rüßmeier und Ursula Zacharias - letztere besonders bei
den Jusos - in der Lilienthaler Kommunalpolitik.

1972 stellte dann die SPD in Lilienthal erstmals den Bürgermeister und zwei Frauen
zogen in den Rat ein (nur für die SPD). Mit großem Elan gingen wir an die Arbeit!
Lilienthal hatte enorm viele Neubürger bekommen - die Infrastruktur hinkte gewaltig hinterher. Die Männer in der SPD hatten uns Frauen wohlwollend gestützt, ersten Ärger gab es allerdings, als die Ausschüsse besetzt wurden. Annemarie Rüßmeier und
ich wollten uns nicht mit den Ausschüssen für Jugend, Kultur, Soziales und Sport etc. abfinden, sondern zeigten Interesse für Planung und Bau, für Haushalt und Finanzen. Kompromisse wurden erarbeitet, jede von uns ging in einen "Frauen angemessenen" Ausschuss und in einen "richtig wichtigen". Als ich später in den Verwaltungsausschuss gewählt wurde (als erste Frau, die je in Lilienthal in diesem Ausschuss saß),
hatten wir wohl bewiesen, unsere Frau stehen zu können!

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Beispiele sozialen Engagements
Das Wirken von Marion Piotrowski-Kempf

von Ingrid Kluth

Wenn man ein Kapitel dieser Chronik den Frauen in der SPD Lilienthal widmen will, so wird dies untrennbar mit dem Namen Marion Piotrowski-Kempf verbunden sein.

Marion Piotrowski-Kempf hat 1987 in Lilienthal die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, AsF, gegründet. Ziel der Arbeitsgemeinschaft
war und ist: Die Interessen und Forderungen der Frauen in der politischen Willensbildung der Partei so zu verstärken, dass diese in der Partei gleichermaßen
von Männern und Frauen getragen werden. Zudem Frauen mit der Politik und den Zielen
der Partei vertraut zu machen und zur Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins beizutragen.

Diese Ziele hat Marion konsequent verfolgt und gegen viele Widerstände durchgesetzt. Sie hat sich dem mühseligen Kampf der Gleichstellung der Frauen in und außerhalb der Partei gestellt und mit Anträgen, unzähligen Gesprächen und Veranstaltungen
erreicht, dass der Kreistag des Kreises Osterholz die Schaffung einer Gleichstellungs-stelle beschlossen hat und 1988 die Frauenbeauftragte im Landkreis Osterholz ihr Amt antreten konnte.

Dies hat Marion - auch über Parteigrenzen hinweg - als Kreistagsabgeordnete in unzähligen Diskussionen mit Überzeugungskraft und viel Ausdauer verwirklicht.

Sie war den Frauen, ihren Mitstreiterinnen auch in Lilienthal, hier unbedingt
ein Vorbild.

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Der Beginn der Jungsozialisten

Die Jungsozialisten gründeten sich zur Jahreswende 1919/1920. Die SPD- Nachwuchsorganisationen waren auch nach dem 1. Weltkrieg nur lose organisiert in drei Untergruppen: die „Kinderfreunde“, die „Sozialistische Arbeiterjugend“ (SAJ) für 14- bis 18-jährige und die „Jungsozialisten“ für 18 bis 25-jährige Genossen. Die Jungsozialisten sahen sich bewusst im Gegensatz zu den etablierten sozialdemokratischen
Parteifunktionären und sie entstanden weitgehend spontan, nicht etwa durch eine gezielte Steuerung der SPD.

Anfang der 20er Jahre arbeiteten die Jungsozialisten an der Idee einer
„Staatsgesinnung“. Der so genannte Hofgeismar- Kreis wollte damit dem Misstrauen der Bevölkerung gegenüber dem eigenen Staat begegnen. Viele Menschen waren unzufrieden, weil sie sich Problemen gegenüber sahen, die es vor dem Krieg so nicht gegeben hatte wie z.B. eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Doch bereits 1925 auf der Jenaer
Reichskonferenz der Jungsozialisten gewannen die radikalen Linkssozialisten
die Oberhand, die die Strategie der Sozialdemokratie, nämlich den Staat von innen heraus zu reformieren, als Verrat am proletarischen Klassenkampf bewerteten.

Auf dem Kieler Parteitag der SPD entzogen die Delegierten zwei Jahre daraufhin, auf Antrag des SAJ-Vorsitzenden Erich Ollenhauer, den Jungsozialisten jegliche Förderung durch die Partei und erklärten die SAJ zur alleinigen Jugendorganisation in der SPD.
Aber sowohl die SAJ (1931: 50.000 Mitglieder) als auch die Jungsozialisten
(1931: 2.000 Mitglieder) hatten der Mobilisierung durch rechtsradikale Jugendverbände nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

In den 30er Jahren schwangen sich die Nationalsozialisten dank vieler Protestwähler und dem Unvermögen der demokratischen Parteien, den rechtsradikalen Gruppierungen Einhalt zu gebieten, zur Regierungspartei auf. Die jungen demokratischen Prinzipien wurden nach und nach ausgehebelt und Deutschland degenerierte zu einer Diktatur. Die SPD wurde im Mai 1933 verboten. Andere demokratische Parteien wie z.B. das Zentrum wurden aufgelöst. Die Gewerkschaften wurden verboten und deren Vermögen vom Staat einkassiert. Die NSDAP erklärte sich am 1.12.1933 zur einzigen Staatspartei.

Widerstand war jetzt allein im Untergrund oder aus dem ausländischen Exil möglich. Gezielt wurden aktive SPD- Mitglieder von SA-Schergen ermordet oder in die ersten
Konzentrationslager verschleppt. Jeglicher organisierter Widerstand wurde in Deutschland mit brutalem Terror erstickt. Dieser perfide Terror gipfelte darin, dass er weitgehend verdeckt passierte, nur gerüchteweise nach außen drang und damit umso nachhaltiger eine abschreckende Wirkung bei vielen Menschen erzielte.

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Die "Sportliche Jagd" und das Sportangeln

Von meinem Großvater mütterlicherseits, der zwischen den beiden Weltkriegen Kutscher in einem Harburger Pferdefuhrwerksunternehmen war, habe ich die Liebe zu den Tieren und meinen Umgang mit ihnen geerbt. Er ging nie an einem Hund, einem Pferd oder einer Katze vorbei ohne sie anzusprechen, und die Tiere schienen ihm zu antworten.

Mein Großvater sagte oft: „Solange der Mensch Tiere tötet, wird es auch keinen Frieden unter den Menschen geben.“ Durch meinen Beruf als Binnenschiffer wurde ich während der Fahrten auf den Flüssen und Kanälen mit dem so genannten Sportangeln und parallel dazu mit der „Sportlichen Jagd“ konfrontiert, und ich begann, mich intensiv mit dieser Thematik zu befassen.

Im August 1990 stellte ich auf einer Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Lilienthals folgende Anträge:

- Die SPD setzt sich für ein generelles Verbot der so genannten sportlichen Jagd und der Sportfischerei ein

- Die SPD erklärt, dass die Ausübung der sportlichen Jagd für Sozialdemokraten nicht vereinbar ist mit der Ausübung eines politischen Mandates.

Während der anschließenden Diskussion, vor allem über meine Begründung, wurde ich besonders von Ruprecht Großmann unterstützt.

Bei nur einer Gegenstimme und mehreren Enthaltungen wurden die Anträge angenommen und auf der „Parteischiene“ auf den Weg gebracht. Als am 15. August 1990 in der WÜMME-ZEITUNG unter der Überschrift: „Befriedigung der Lust am Töten“ ein Bericht über die Anträge erschien, schossen sich monatelang Jäger und Jagdfreunde in der Presse auf die Lilienthaler SPD und besonders auf mich ein. Der damalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke, selbst Hobbyjäger, forderte die Lilienthaler Genossen gar auf, die Anträge zurück zu nehmen. Aber auch zahlreiche zustimmende Äußerungen waren zu vermerken, darunter vertrauliche aus dem Kreis der Jägerschaft selbst.

Die Lilienthaler SPD und auch die WÜMME-ZEITUNG wurden durch Berichte in vielen deutschsprachigen Jagdzeitschriften „von Alaska bis Australien“ bekannt.

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Arbeiterlieder

Brüder zur Sonne zur Freiheit

Deutscher Text: Hermann Scherchen
Melodie: russische Volksweise

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor.
Hell aus dem dunklen Vergangnen leuchtet die Zukunft hervor.

Seht nur den Zug der Millionen endlos aus Nächtigem Quillt,
bis eurer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt.

Brüder, in eins nun die Hände, Brüder das Sterben verlacht:
Ewig der Sklaverei ein Ende, heilig die letzte Schlacht.

Arbeiter von Wien

1 Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt,
wir sind der Sämann, die Saat und das Feld.
Wir sind die Schnitter der kommenden Mahd,
wir sind die Zukunft und wir sind die Tat.

Refrain
So flieg, du flammende, du rote Fahne,
voran dem Wege, den wir ziehn.
Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer,
wir sind die Arbeiter von Wien.

2 Herrn der Fabriken, ihr Herren der Welt,
endlich wird eure Herrschaft gefällt.
Wir, die Armee, die die Zukunft erschafft,
sprengen der Fesseln engende Haft.

Refrain

3 Wie auch die Lüge uns schmähend umkreist,
alles besiegend erhebt sich der Geist.
Kerker und Eisen zerbricht seine Macht,
wenn wir uns rüsten zur letzten Schlacht.

Refrain (2x)

 

Avanti Popolo

Avanti popolo, alla riscossa,
bandiera rossa, bandiera rossa.
Avanti popolo, alla riscossa,
bandiera rossa trionfera.

Bandiera rossa trionfera,
bandiera rossa trionfera,
bandiera rossa trionfera.
Evviva socialismo e liberta.

Voran, du Arbeitsvolk, du darfst nicht weichen,
die rote Fahne, das ist dein Zeichen!
Voran mit frischem Mut auf neuen Bahnen,
die roten Fahnen wehn dir voran!

Blutrote Fahnen grüßt das Sonnenlicht,
blutrote Fahnen rufen zum Gericht!
Blutrote Fahnen werden Sieger sein,
sie tragen neue Hoffnung in die Welt hinein.

Im Schacht, im Werkstattsaal, wo jeder schaffe,
die rote Fahne sei eure Waffe!
Der Zukunft reiches Glück, ihr könnt es ahnen,
die roten Fahnen wehn euch voran!

Blutrote Fahnen grüßt...

Es wird die neue Zeit den Haß bezwingen,
die rote Fahne wird Frieden bringen.
Zu freien Menschen formt sie Untertanen,
die roten Fahnen wehn euch voran!

Blutrote Fahnen grüßt...

Die Internationale

Deutscher Text: Emil Luckhardt
Musik: Pierre Degeyter


Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt.
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt!
Reinen Tisch macht mit den Bedrängern!
Heer der Sklaven wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger,
alles zu werden, strömt zuhauf!

Völker hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen,
können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte,
leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!

Völker hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

In Stadt und Land ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei’n,
die Müßiggänger schiebt beiseite,
diese Welt muss unser sein!
Unser Blut sei nicht länger mehr der Raben
und der mächt’gen Geier Fraß,
erst wenn wir sie vertrieben haben,
dann scheint die Sonn’ ohn’ Unterlass!

Völker hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

Solidaritätslied

Dieses Lied wurde für den ersten und einzigen Film Bert Brechts „Kuhle Wampe“ geschrieben. Dieser erste proletarische Film in Deutschland wurde 1931 – nach großen Widerständen – uraufgeführt und schildert das Problem der Arbeitslosigkeit. Der ursprüngliche Text für den Film wurde 1949 vor Bert Brecht überarbeitet. Das Lied ruft auf zur Solidarität der Arbeiter im Kampf gegen Verelendung und Ausbeutung.


Vorwärts, und nicht vergessen,
worin uns´re Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nie vergessen, die Solidarität!

Auf, ihr Völker dieser Erde, einigt euch in diesem Sinn.
Dass sie jetzt die eure werde und die große Näherin.

Vorwärts, und nicht …

Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Endet ihre Schlächtereien!
Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein.

Vorwärts, und nicht …

Wollen wir es schnell erreichen, brauchen wir noch dich und dich.
Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich.

Vorwärts, und nicht …

Uns´re Herrn, wer sie auch seien, sehen uns´re Zwietracht gern.
Denn solang sie uns entzweien, bleiben sie doch uns´re Herrn.

Vorwärts, und nicht …

Proletarier aller Länder, einigt euch und ihr seid frei!
Eure großen Regimenter brechen jede Tyrannei!

Vorwärts, und nie vergessen
Und die Frage konkret gestellt.
Beim Hungern und beim Essen:
Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?
 

Streikpostenlied

Morgens früh um sieben stehen wir im kalten Wind
und warten auf die Schweine die nichr solidarisch sind
auf die, die nichts kapieren
und immer noch parieren.

Die ham die Bundesbahn verschleudert, die telekom dazu
ganz einfach weil sie pleite sind, der nächste der bist du!
Die sind nicht mehr solvent;
drum heißt es : "Zahl, fauler Student!"

Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!

Wir lassen uns jetzt nicht mehr unsere Zukunft ruinieren,
um Eurofighter, Euro und Berlin zu finanziern.
Wenn ihr so weiter macht,
dann Deutschland: "Gute Nacht!"

Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!

Morgens früh um sieben stehen wir im kalten Wind
und warten auf die Schweine die nichr solidarisch sind
und wenn wir hier überwintern,
ihr kriegt Feuer unterm Hintern.

Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!
Streik, Streik, Streik!

Was wollen wir trinken

Was wollen wir trinken sieben Tage lang ?
Was wollen wir trinken, so ein Durst.
Es wird genug für alle sein.
Wir trinken zusammen,
roll das Fass mal rein.
Wir trinken zusammen, nicht allein.

Dann wollen wir schaffen sieben Tage lang.
Dann wollen wir schaffen, komm fass an.
Und das wird keine Plackerei.
Wir schaffen zusammen, sieben Tage lang.
Wir schaffen zusammen, nicht allein.

Jetzt müssen wir streiten, keiner weiß wie lang,
ja, für ein Lebenohne Zwang.
Dann kriegt der Frust uns nicht mehr klein.
Wir halten zusammen keiner kämpft allein.
Wir gehen zusammen,nicht allein.

Dann wollen wir trinken sieben Tage lang ?
Dann wollen wir trinken, so ein Durst.
Es wird genug für alle sein.
Wir trinken zusammen,
roll das Fass mal rein.
Wir trinken zusammen, nicht allein.